Fictions


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Fictions

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Audiovisuelle Konzertinszenierung

Franziska Baumann, Fictions für Viola, Bassklarinette, Perkussion und Stimme
CRÉATION frei nach Jorge Luis Borges

Franziska Baumann, Konzept, Komposition und Stimme
Claudia Brieske, Konzept, Videoschnitt und Live-Projektion
Angela Bürger, dramaturgische und szenische Begleitung

Solisten des Nouvelle Ensemble Contemporain NEC
Marie Schwab, Viola
Jean-François Lehmann, Bassklarinette
Lucas Gonseth, Perkussion

Aufführungen:
01.02.2012, 19h Centre Dürrenmatt, Neuenburg
13.04.2012, 21h Dampfzentrale, Bern

Nach VOXLabYrinth, Tsanfleuron und Liquid Souls (für die Donaueschinger Musiktage 2011) präsentieren die Sängerin/Komponistin Franziska Baumann und die Berliner Medienkünstlerin Claudia Brieske mit „Fictions“ ihre vierte Produktion. Damit setzen sie ihre Erkundung von Stimm-, Klang- und Bildinszenierungen im Spannungsfeld zwischen auditiven und visuellen Aktionsräumen fort.

Fictions
In seiner Erzählung “Tlön, Uqbar, Orbis Tertius” berichtet der argentinische Schriftsteller Jorge Luis Borges von einer fiktiven Kultur, deren Sprache keinerlei Hauptwörter kennt:  “Es gibt kein Wort, das dem Wort 'Mond' entspricht, aber es gibt ein Verbum, das im Lateinischen 'lunare' oder bei uns 'monden' lauten würde. Der Mond ging über dem Fluß auf lautet: blör u fang axaxcas mlö oder in genauer Wortfolge: „Empor hinter dauer-fließen mondet'es“. Einfachste Aussagen lassen sich in dieser Sprache nur durch komplizierte grammatikalische Konstruktionen ausdrücken, die jedoch voller Poesie und Zauber sind, wie im oben zitierten Beispiel. Inspiriert von dieser Idee entstehen für „Fictions“ vier Kompositionen. Daran gekoppelt sind räumliche Bildmomente, so genannte fiktive Orte.

Für die Kompositionen hat Franziska Baumann einzelne Klangtypen wie Drones, Texturen, Pulsationen und Aktionen in grafischen Notationen ausgelotet und mit verschiedenen verbal präzisen Spielanleitungen kombiniert. Diese wurden zusammen mit den Musikern und Musikerinnen des NEC ausgearbeitet und ausdifferenziert.




Aus diesen kleinsten musikalischen Bestandteilen (Molekülen vergleichbar) werden Netzwerke aus Klängen aufgebaut, die sich gleichsam vor den Ohren der Hörer entfalten, immer wieder in Frage stellen und wieder neu formuliert werden. Klänge, die uns an etwas erinnern, an einen Duft, eine Zärtlichkeit, eine Stimmung, die schon lange vergessen plötzlich auftaucht, verschwindet, wiederkehrt.

Die Partitur wird weitgehend offen gestaltet. Zeitdauer, Ort in Partitur, Interaktion und Dynamik werden festgelegt. Der Rest in der Probenarbeit herausgearbeitet, wo die Musik ins szenisch-räumliche vorangetrieben wird. Die Dialektik von Improvisation bei gleichzeitiger genauer Festlegung der Zeiträume ist der mentale Antrieb des Stückes.

Die Videos haben - ebenso wie die schon beschriebenen Klangtypen - einen modularen Charakter. Installierte Tücher und Gazen fangen die Bildbewegungen auf und lassen gestische Bildräume entstehen, die auftauchen und wieder verschwinden. Sie durchbrechen den Raum dekonstruieren ihn in einer an den Klang gekoppelten Spiegelung. Dabei wird der Bereich zwischen situativer konzertanter Präsenz und virtueller Raum-Szene mit mobilen Videoprojektionen ausgelotet.

Franziska Baumann